Wenn man an Register denkt, klingt das im ersten Moment oft trocken – als wären sie alle gleich, wie Daten in einer Tabelle. In der Realität sind Register eher wie Menschen: Jedes funktioniert anders, jedes bringt seine eigene Geschichte, seine eigenen Prozesse und Erwartungen mit.
In Deutschland sprechen wir von rund 13.000 Registern. Diese Vielfalt ist genau das, was Registermodernisierung komplex macht. Es geht nicht nur um Technik und Daten, sondern um Organisationen, Menschen und gewachsene Arbeitsweisen, die zusammengebracht werden müssen.
Genau das war unsere Aufgabe im NOOTS-Use-Case 2.
Ein alltäglicher Vorgang mit großer Wirkung
Im Zentrum unseres Use Cases stand ein sehr alltäglicher Prozess: die Gewerbeanmeldung.
Ein Vorgang, den viele kennen und bei dem man intuitiv denkt: Das muss doch einfach gehen.
Die Realität sah bislang anders aus:
- Registerdaten kamen nicht direkt aus dem Register,
- sondern über die antragstellende Person,
- mit manuellen Zwischenschritten und Medienbrüchen.
Effizient war das nicht. Sicher auch nicht – denn die Daten mussten als korrekt und unverändert angenommen werden.
Unser Ansatz: strukturierter Zugriff statt Medienbruch
Damit das anzubindende Serviceportal Leistungen künftig sauber verarbeiten kann, braucht es einen direkten, strukturierten und maschinenlesbaren Zugriff auf Registerdaten; in unserem Fall auf das Handelsregister.
Die Lösung: Eine Verbindung von Portal und Register über das NOOTS als gemeinsames, verbindendes Netz.
Die zentrale Frage war dabei nicht der Abruf selbst, sondern das Dazwischen. Denn Register und Portale sprechen nicht automatisch dieselbe Sprache. Unterschiedliche Datenmodelle, fachliche Logiken und Verantwortlichkeiten erzeugen genau dort die größte Komplexität.
Adapter als Schlüssel zur Beherrschbarkeit
Unsere Antwort darauf waren Adapter:
- ein Data Consumer Adapter auf der Portal-Seite,
- ein Data Provider Adapter auf der Register-Seite.
In diesen Adaptern passiert die eigentliche Übersetzungsarbeit:
- Daten werden abgeholt,
- harmonisiert,
- und zwischen Registerlogik, NOOTS und Portalbedarf vermittelt.
So bleibt das Portal schlank, das Register kann Register bleiben und beide Seiten werden von der Komplexität des Datenhandlings entlastet. In unserem Use Case war das der pragmatische und stabile Weg.
Drei Learnings aus der Umsetzung
1. Betreiber sind Mitgestalter – keine Abnahmeinstanz
Rückblickend hätten wir die Betreiber früher einbinden müssen. In der Testumgebung lief alles stabil, doch beim Übergang in produktionsnahe Umgebungen tauchten Fragen zu Betrieb, Rollout und Sicherheitsfreigaben auf.
Unser Learning: Ein Projekt ist erst erfolgreich, wenn es betrieben werden kann.
2. Ohne Interoperabilität skaliert nichts
Wenn zwei Systeme dasselbe meinen, es aber unterschiedlich ausdrücken, ist das für Maschinen ein Problem. Ohne einheitliche Semantik und Syntax muss jedes Portal jedes Register einzeln verstehen. Standards sind daher kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung für Skalierbarkeit.
3. Adapter lösen den Schmerz von Portalen und Registern
Statt tief in bestehende Portale einzugreifen, haben wir Komplexität ausgelagert. Der eingesetzte Adapter ist generisch und kann vor jedes Portal geschaltet werden, das an NOOTS angebunden werden soll. So wird Anbindung einfacher, schneller und risikoärmer.
Unser Fazit
Eine NOOTS-Anbindung ist kein Selbstläufer. Aber sie funktioniert, wenn man die Komplexität ernst nimmt und bewusst gestaltet.
Die Learnings aus unserem Use Case stammen nicht aus der Theorie, sondern aus der konkreten Umsetzung eines der ersten Anbindungsprojekte.
Wir teilen sie, damit Registermodernisierung nicht jedes Mal neu erfunden werden muss.
NOOTS funktioniert – wenn wir es gemeinsam umsetzen.

