E-Government
Vom:
18.3.2026

Digitale Souveränität beginnt mit der IT-Architektur der Verwaltung

Autor:in
Amelie Ruppe
Digitale Souveränität ist zentral für die langfristige Handlungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung. Staatliche IT-Systeme zählen zur kritischen Infrastruktur und müssen dauerhaft sicher, stabil und flexibel bleiben. Aktuell halten 93 % der befragten Unternehmen Deutschland als stark abhängig vom Import digitaler Produkte. 96 % gaben in der Vergangenheit auch an digitale Produkte oder Dienste aus dem Ausland zu beziehen – besonders in den Bereichen Software, Cloud, IT-Sicherheit und Hardware. In Verwaltungen entstehen solche Abhängigkeiten oft durch komplexe IT-Landschaften mit proprietären Schnittstellen, die Anbieterwechsel erschweren. Mehr Unabhängigkeit lässt sich durch modulare IT-Architekturen, offene Standards und den Einsatz von Open Source erreichen. Digitale Souveränität entsteht so nicht durch einzelne Lösungen, sondern durch strategisch geplante, flexible und sichere IT-Strukturen.

Digitale Technologien sind für Verwaltungen heute zentral – von Fachverfahren über Kommunikation bis zu Bürgerdiensten. Staatliche IT gehört zur kritischen Infrastruktur und läuft über lange Zeiträume. Digitale Souveränität bedeutet hier, technologische Entscheidungen selbstbestimmt treffen zu können und die langfristige Handlungsfähigkeit zu sichern. Für Verwaltungen ist das besonders relevant.

Gleichzeitig zeigt die aktuelle Bitkom-Studie „Digitale Souveränität 2025“, dass 93 % der Unternehmen Deutschland derzeit für stark abhängig vom Import digitaler Technologien und Dienstleistungen halten (Folie 3, Bitkom 2025 PDF). Passend dazu gaben zu Beginn des vergangenen Jahres 96 % der Unternehmen an, digitale Technologien aus dem Ausland zu beziehen (Presseinformation Bitkom 3.5.25).

zwei Statistiken zu digitaler Abhängigkeit Deutschlands

Wo Abhängigkeiten entstehen

Laut der Studie sind Software, Cloud-Services, IT-Sicherheitslösungen und Hardware die größten Bereiche internationaler Abhängigkeiten. Viele Systeme stammen aus den USA, China oder Taiwan, für Verwaltungen bedeutet das, dass entscheidende IT-Funktionen potenziell von wenigen globalen Anbietern abhängig sind, was Flexibilität und Anpassungsfähigkeit einschränken kann. Hingegen genießen europäische Anbieter ein deutlich höheres Vertrauen und trotzdem dominieren außereuropäische digitale Produkte und Dienstleistungen in der Nutzung.  

Diese Abhängigkeiten entstehen jedoch selten durch einzelne Produkte allein. Häufig sind sie das Ergebnis gewachsener IT-Landschaften, in denen Systeme, Daten und Prozesse eng miteinander verzahnt sind. Wird eine zentrale Komponente zum Beispiel durch proprietäre Schnittstellen oder geschlossene Datenformate gebunden, wird ein späterer Wechsel schwierig. Genau hier setzt das Thema digitale Souveränität an: nicht erst bei der Auswahl einzelner Lösungen, sondern bereits bei der grundlegenden Gestaltung der IT-Architektur.

IT-Architektur als Grundlage

Digitale Souveränität beginnt nicht in einzelnen Tools oder Projekten, sondern mit der Architektur der IT-Systeme selbst.

  • Modularität ermöglicht den Austausch einzelner Komponenten ohne den Umbau kompletter Systeme.
  • Offene Schnittstellen und standardisierte Datenformate verhindern Bindungen an einzelne Anbieter.
  • Transparente Datenkontrolle sichert langfristige Entscheidungsfreiheit.

Open Source kann hier eine zentrale Rolle spielen, wie wir bereits in „Open Source als Grundlage digitaler Souveränität“ beschrieben haben. Durch Transparenz und Anpassbarkeit lassen sich zentrale Systeme unabhängig vom Hersteller gestalten, ohne dass dies die einzige Lösung sein muss.

Praktische Hebel für Verwaltungen

Verwaltungen können digitale Souveränität gezielt stärken, indem sie Fachverfahren modular gestalten, sodass einzelne Komponenten flexibel ausgetauscht oder angepasst werden können. Offene Schnittstellen und standardisierte Datenformate verhindern die Bindung an einzelne Anbieter und erleichtern die Integration neuer Lösungen. Multi‑Vendor-Ansätze sorgen dafür, dass Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern reduziert werden, während transparente Sicherheitslösungen dafür sorgen, dass Daten jederzeit kontrollierbar und geschützt bleiben.

Auf diese Weise wird IT nicht nur betrieben, sondern strategisch gestaltet – als Fundament für eine handlungsfähige, unabhängige und zukunftsfähige Verwaltung.

Fazit

Digitale Souveränität ist kein abstraktes Schlagwort, sondern ein konkretes Handlungsfeld. Die Bitkom-Studie zeigt deutlich, wie stark Organisationen bereits von internationalen Anbietern abhängig sind und welche Risiken damit verbunden sind. Für öffentliche Verwaltungen bedeutet das: Wer IT-Architekturen modular, offen und transparent gestaltet, bewahrt sich langfristige Handlungsfähigkeit und Flexibilität. Open Source kann dabei ein wichtiger Baustein sein, ist aber nur ein Teil einer breiteren Strategie zur Souveränität.

Verwaltungen sollten prüfen, wie ihre IT-Landschaft aufgebaut ist:  
Wo bestehen Abhängigkeiten?  
Welche Systeme lassen sich modular oder auf offene Standards umstellen?  

Wir unterstützt Sie dabei, IT-Architekturen souverän zu gestalten: von der Analyse bis zur Umsetzung.

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