Barrierefreiheit: Kennen Sie die 10 wichtigsten Faktoren für ein gelungenes Webprojekt?

Barrierefreiheit ist den meisten Menschen vor allem im Zusammenhang mit Gebäuden ein Begriff. Ein Bahnhof ist beispielsweise dann für Rollstullfahrer barrierefrei, wenn es Rampen und Fahrstühle gibt und er jeden Punkt im Gebäude ohne fremde Hilfe erreichen kann. So oder so ähnlich lässt sich die Barrierefreiheit auch in die Online-Welt auf Websites übertragen: Barrierefreiheit ist demnach dann gegeben, wenn Menschen mit unterschiedlichen Handicaps die Homepage bzw. Webanwendung problemlos bedienen können.
Dies ist dann der Fall, wenn das Web-Projekt verschiedene Kriterien erfüllt. Zehn von diesen Kriterien möchten wir Ihnen nachfolgend vorstellen:

1. Auf Kontrastwerte achten
Menschen mit Seh- bzw. Farbsehschwäche ist es nicht möglich z.B. Farben zu unterscheiden oder hellen Text auf einem farbigen Untergrund wahrzunehmen. Es sollte entweder generell ein hoher Kontrastwert bestehen oder aber die Möglichkeit gegeben sein, den Kontrast der Website zu erhöhen.

2. Skalierbarkeit
Festgesetzte Schriftgrößen stellen ebenfalls eine Barriere dar. Nutzer mit Sehschwäche oder ältere Menschen sollten die Möglichkeit haben, die Schriftgröße zu verändern. Daher müssen Schriftgröße und Abstände relativ sein.

3. Navigation durch die Seite ohne Maus
Um auch ohne die Nutzung der Maus oder eines Touchpads durch eine Website navigieren zu können, sollte es möglich sein mit Hilfe der Tastatur durch den Inhalte einer Seite zu navigieren. Dabei ist es wichtig auf eine sinnvolle Reihenfolge der Sprungmarken zu achten, die über die Tabulator-Taste angesteuert werden. Zu Beginn ist es hilfreich, die direkte Auswahl der Navigation zu ermöglichen, damit der User sich nicht erst durch den gesamten Website-Inhalt schalten muss, um zu seinem gewünschten Ziel zu gelangen.

4. HTML richtig einsetzen
Auch der richtige Einsatz von HTML schlägt sich in der Barrierefreiheit nieder: visuell klar erkennbare Strukturen wie z.B. Überschriften, Absätze oder Listen müssen konsequent eingesetzt werden. Andernfalls können Lesegeräte wie Screenreader oder Braillezeile die Struktur nicht einwandfrei erfassen.

5. Alternativtexte für Bilder
Aufbauend auf den vorherigen Punkt ist es ebenso wichtig, einen aussagekräftigen Alternativtext für alle Bilder zu hinterlegen, welche der Screenreader erfassen kann. Hier ist es wichtig, das Bild genau zu beschreiben. Durch die Beschreibung muss sich dem Zuhörer das Bild als auch der Zusammenhang zum Kontext auf der Seite erschließen können. Auch Logos und Schriftgrafiken müssen, wenn vorhanden, mit Alternativtext versehen werden, da diese ebenfalls nicht vom Screenreader gelesen werden können.

6.  Untertitel bei Videos
Genauso ist es beim Einsatz von Videos für gehörlose Nutzer essenziell wichtig, entweder Untertitel einzusetzen oder aber die Informationen in Textform anzubieten. Generell sollte man stets das Zwei-Sinne Prinzip beachten und somit alle Informationen auf einer Website so anbieten, dass sie über zwei verschiedene Sinne aufgenommen werden können.

7. Leichte Sprache
Komplexe Sachverhalte oder mit Informationen überladene Websites sind für User mit Lern- oder Leseschwäche nur schwer oder gar nicht zu erfassen. Die Funktion „leichte Sprache“ ermöglicht es dem Benutzer auf einer Übersichts-Seite im einfachen Sachzusammenhang erklärt zu bekommen, was die Seite beinhaltet. Auf vielen Seiten der Ministerien z.B. ist diese Funktion stets gegeben.

8. Tests durchführen
Wenn eine Website die Richtlinien der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0 umsetzt, wird sie als barrierefrei bezeichnet. Hierbei handelt es sich um Guidelines des W3C aus 2008, welche vier Prinzipien enthalten, nach denen sich ergibt ob eine Website barrierefrei ist. Dazu muss sie 1. wahrnehmbar, 2. bedienbar, 3. verständlich und 4.(Inhaltlich) robust gestaltet sein. Zudem bietet der BITV-Selbsttest die Möglichkeit, den Grad der Barrierefreiheit einer Seite mit einem Wert von 1-100 zu bewerten. Ein Wert über 90 gilt in diesem Fall als ein guter Grad an Barrierefreiheit.
Ob eine einfache Bedienbarkeit für Menschen mit Behinderung dann tatsächlich vorliegt, kann jedoch am besten von Betroffenen selbst entschieden werden.

9. Beitrag aller Beteiligten
Nicht nur Entwickler und Designer sind dafür zuständig, auf die barrierefreie Gestaltung der Seite zu achten. Auch Redakteure und Autoren tragen entscheidend dazu bei. Alle Beteiligten müssen - in enger Zusammenarbeit - Verantwortung für eine barrierefreie Gestaltung von Technik und Inhalten übernehmen. Nur so können Rückschläge vermieden und ein gelungenes Gesamtergebnis erreicht werden.

10. Kontinuität
Barrierefreiheit wird nicht einmal für eine Website "entwickelt" und bleibt dann für immer bestehen. Neuer Content und Erweiterungen der Website müssen stets ebenso barrierefrei zugänglich erstellt werden.

Barrierefreiheit in der Praxis
Barrierefreiheit setzt sich aus vielen verschiedenen Faktoren zusammen. Das Bestreben ein Webprojekt zu 100% barrierefrei umzusetzen ist genauso ambitioniert wie utopisch. Die Anforderungen sind so individuell, dass selten sichergestellt werden kann, ob wirklich für jede Art des Handicaps eine komplett barrierefreie Bedienung möglich ist.
Mit den oben genannten Punkten kann dennoch sicher ein großer Teil der Anforderungen abgedeckt werden.


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